AVR Jülich war und wird ein Sicherheitsrisiko bleiben
| Zu den Berichten in der heutigen Ausgabe des Magazins „DER SPIEGEL“ über erhebliche Sicherheitsdefizite beim Betrieb des Versuchsreaktors AVR Jülich erklärt Oliver Krischer, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag Düren: „Eine wissenschaftliche Studie deutet darauf hin, dass mit Wissen und Billigung der Verantwortlichen der Versuchsreaktor AVR weit oberhalb zulässiger Temperaturen gefahren wurde. Als Folge davon waren Jülich und die ganze Region während des Betriebes des Reaktors bis 1988 möglicherweise einem bisher ungeahnten Risiko eines schweren atomaren Unfalls ausgesetzt. Wenn nun endlich das Bundesumweltministerium eine kritische Bewertung des AVR-Betriebs einleitet, so ist das längst überfällig und bestätigt frühere Kritiker. Vor allem aber müssen die schweren Sicherheitsbedenken dazu führen, dass alle Träume der CDU/FDP-Landesregierung von einer Reaktivierung des Kugelhaufenreaktors endgültig beerdigt werden. Aber auch die NRW-Landesregierung selbst, als zuständige Atomaufsicht in NRW, hat sich als Sicherheitsrisiko erwiesen: Noch vor drei Wochen hat sie aufgrund einer Anfrage der Grünen Landtagsfraktion alle Sicherheitsbedenken beim Betrieb des AVR als irrelevant abgetan. Der von der schwarz-gelben Landesregierung weiterhin aufrecht erhalten Mythos vom ‚inhärent sicheren Kugelhaufenreaktor – Modell Jülich’ war wichtiger als eine kritische Auseinandersetzung mit den Fakten. Es wird Zeit, dass Behörden und Forschungszentrum sich ernsthaft und kritisch mit der Atomgeschichte in Jülich auseinandersetzen und Konsequenzen für die Zukunft ziehen. In der Öffentlichkeit darf nicht länger der Eindruck erweckt werden, dass der AVR so harmlos ist wie eine Bonbon-Fabrik. Der Reaktor ist bis heute ein Sicherheitsrisiko: Der Reaktorkern ist extrem stark radioaktiv kontaminiert. Der ‚Rückbau bis zur Grünen Wiese’ ist ein Ammenmärchen, um an das durch einen Störfall von 1979 verstrahlte Erdreich zu gelangen. Der hochradioaktive Kern wird nur um ein paar hundert Meter versetzt und dort für Jahrzehnte ‚zwischengelagert’ - eine der aufwendigsten und gefährlichsten Rückbauaktionen der Atomgeschichte. Der Kern kann wenn der hohen radioaktiven Belastung nicht zerlegt werden. Dieses Problem hinterlässt die Atomwirtschaft unseren Kindern und Enkeln. Diesen ‚Rückbau’, der gar keiner ist, müssen auch noch die Steuerzahler mit mindestens 500 Mio. Euro bezahlen. Und das für ein technisch gescheitertes Projekt, denn nirgendwo auf der Welt ist ein Kugelhaufenreaktor in Betrieb oder in Planung, nachdem auch Südafrika das einzige verbliebene Projekt eingestellt hat.“ |

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