Schottergärten – der Horror im Vorgarten

Sie sind in den Siedlungen der deutschen Städte derzeit nicht mehr zu übersehen: kleine und große Flächen, belegt mit Kies, Schotter, Split und kläglich verbrämt durch den Blick auf einen kümmerlichen Buchsbaum. Schottergärten sind ein Phänomen und wir täten gut daran, es so schnell wie möglich als kuriose Marotte des beginnenden 21. Jahrhunderts zu den Akten zu legen.

Schottergärten sind Brachflächen. Auf ihnen wächst kein ökologisch wertvolles Grün. Wo dieses fehlt, fehlt es auch an Nahrung und Unterschlupf für Insekten, Vögel und Kleinstsäuger.

Hitze und Staub nehmen zu und der Wasserhaushalt ändert sich nachhaltig. Was mittelfristig zu einer Zerstörung der Bodenstruktur führt kann kurzfristig zu Ihrer persönlichen Flutkatastrophe werden wenn bei Starkregen das Wasser in einem ganzen Baugebiet nicht mehr versickern oder richtig abfließen kann.

Unterschied Schottergarten vs. Steingarten

Ein Schottergarten ist eine großflächig mit Steinen bedeckte Gartenfläche, in welcher die Steine das hauptsächliche Gestaltungsmittel sind. Pflanzen kommen nicht oder nur in geringer Zahl vor, wenn, dann oft durch strengen Formschnitt künstlich gestaltet. Als Steinmaterial kommen häufig gebrochene Steine mit scharfen Kanten und ohne Rundungen zum Einsatz (Schotter); für den gleichen Stil können aber auch Geröll, Kies oder Splitt verwendet werden. Der Begriff dient der Abgrenzung von klassischen Stein- und Kiesgärten, bei denen die Vegetation im Vordergrund steht, und wurde in diesem Sinne durch Studien, Medien und Initiativen geprägt.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Schottergarten)

Als Steingarten bezeichnet man eine Gartenanlage, welche unter intensiver Verwendung von Steinen und Kies Pflanzen der Gebirgsflora oder trockenheitsresistente Pflanzen beherbergt. Die Steine bilden dabei das Substrat für die angepasste Vegetation.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Steingarten)

Der Unterschied zwischen den beiden Varianten besteht also darin, dass der Steingarten Steine, Geröll, Kiesentc. als Substrat, also als Untergrund für diverse Pflanzen verwendet. Der Steingarten beinhaltet also die Möglichkeit, eine viel zahl von Pflanzen zu kultivieren.

Der Schottergarten ist tot. Er ist wie ein ungefüllter Blumentopf, der bewusst ohne Bepflanzung auf der Fensterbank steht.

Pflegeleicht ?

Als eines der Hauptargumente beim Anlegen eines Schottergartens wir d angeführt, dieser sei pflegeleichter als begrünte Gärten da sich mangels kultivierbaren Untergrunds keine „Unkräuter“ bilden könnten. Dies trifft aber nicht (lange) zu. Über das Jahr hinweg werden Staub, Laub, Pollen etc. auf die Fläche geweht und sammeln sich auf dem Bodenvlies des Schottergartens an. Auf diesem können sich schon nach relativ kurzer Zeit heran gewehte Wildkrautsamen festsetzen und austreiben. Dies ist nur mit regelmäßigen Reinigungsaktionen (Laubbläser) hinauszuzögern.

Aufgrund der Geröllstruktur ist es auch nicht leicht, gekeimte Unkräuter mit der Wurzel zu entfernen, was das Nachwachsen beschleunigt.

Die leicht aufgeheizte und wasserarme Oberfläche setzt die oft verwendeten Solitärpflanzen unter Stress, den sie oft nicht bewältigen können. Gerade diese Pflanzen sind vermehrt Ziel von Schädlingen (z.B. dem Buchsbaumzünsler). Mangels natürlicher Fressfeinde ist eine permanenete Beaobachtung bzw. der gezielete Einsatz von Nähr- und Hilfsstoffen notwendig.

Je nach Konzeption muss ein Schottergarten nach bereits 10 Jahren ganz oder teilweise ersetzt werden.

Mikroklima: ländlich wie Titz, heiß wie Manhatten

Sind Sie schon einmal an einem heißen Tag durch eine Großstadt gelaufen? Der Beton der Fassaden, der Belag der Straße heizen sich unheimlich auf. Auf diser heißen Oberfläche kann kein kühlender Wind mehr wehen und der Stein hält die Hitze auch bis tief in die Nacht hinein. Die Schotterflächen stellen eine vergleichbare Fläche dar. Nun macht ei einzelner Schottergarten vielleicht keine Probleme, aber haben Sie sich in so mancher Neubausiedlung mal umgesehen?

Rechtliche Einordnung

In der Landesbauordnung werden für unbebaute oder nicht anderweitig zulässig genutzte Flächen (Auffahrt, Wege) eine wasserdurchlässige Gestaltung und Begrünung oder gärtnerische Gestaltung gefordert. Konkret bedeutet dies, dass ein Schottergarten in seinem üblichen Aufbau in NRW und den meisten Bundesländern nicht zulässig ist.

In diesem Jahr at Baden-Württemberg als erstes Bundesland nun Maßnahmen zur Umsetzung dieser gesetzlichen Regelung getroffen.

Hilfe und Abhilfe

Möchten Sie einen neuen Garten planen oder Ihren bestehenden Schotterplatz umstrukturieren?

Wir haben für Sie einige hilfreiche Links zusammengefasst.

Angebote des NABU:

Der Schottergarten

Pflegeleichte Gärten – Alternativen zu Schotter & Co.

Pflanze statt Schotter

Pflegeleichte und ökologisch wertvolle Pflanzen für Garten und Vorgarten:

Ein Ratgeber des NDR

Infos vom ZENTRALVERBAND GARTENBAU e.V.

BUND Naturschutz

Immer hilfreich bei Frage:

Biologische Station Düren

Wenn Ihnen Ihr Garten nicht reicht!

Heinrich-Böll-Stiftung zur Biodiversität

Und zum Schluss etwas Satire:

@GärtenDesGrauens

(Hinweis: Mit den verlinkten Angeboten stehen wir in keinerlei direkter Verbindung. Wir können daher für die verlinkten Inhalte keinerlei Haftung oder Gewähr tragen. Sie haben uns einfach gut gefallen.)

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