Bürgerantwort zum Thema

Am 10.09.2020 erreiche uns folgende Email von Anja Moritz zum Thema Schottergärten:

Hallo Grüne Fraktion Titz,

In Ihrer Postwurfsendung zur Kommunalwahl habe ich mit Interesse zu den Schottergärten & Co. gelesen. Gutes Thema.
Auch gut, schlechte Gemeindebeispiele aufzuführen.
Schlecht allerdings, nicht auch positive Beispiele wie im Ortseingang Jackerath (von Titz aus gesehen) zu nennen, auch wenn dafür vielleicht nicht die eigene Fraktion verantwortlich ist, sondern (soweit ich weiß) Bürgerinitiative…

Ich hätte mir auch mehr praktische Anregung für jedermann gewünscht, die direkt vor Ort mit wenig Mitteln umzusetzen ist.

Ich gehöre keiner Partei an und kritisiere sehr vieles, was in der Gemeinde Titz schon lange (durch Filz und ähnliches) nicht richtig läuft.
Aber ich muss sagen, dass ich selbst in dieser einen Sache ganz gute Erfahrungen gemacht habe:
Vor 4 Jahren habe ich die Gemeinde gefragt, ob ich eine Patenschaft für einen Strassenbaum mit Mini Umrandung übernehmen dürfte, da mir das verwilderte Stückchen Grün leidtat. Man war verwundert, gab aber grünes Licht und bot mir sogar diverse einfache Pflanzen an, die ich aber ablehnte, da ich schon einen Plan für eine kleine Oase hatte.
Man wolle das nach Fertigstellung aber checken (was ich persönlich schon echt frech fand, aber…).
Der Baum ist eine schöne Linde, wird von mir saisonal dezent in Szene gesetzt (im Winter mal Lämpchen, im Sommer Baumhänger. Um den Stamm habe ich eine Metall Baumbank gebaut und in jeder Ecke des Grundstücks eine andere alte Duftrose gepflanzt, umrandet von verschiedenem Lavendel.
Durch Pinienmulch behält der Boden auch bei Trockenheit Restfeuchte für die Linde und Insekten, was die Linde mit tollem Wuchs dankt.

Vielleicht könnte man mal propagieren, dass Eigeninitiative hier nicht unbedingt vor die Wand läuft. Wahrscheinlich pflegen nicht gerade die Schottergärtner Gemeindestücke, aber ein paar Bienenwiesen mehr könnten ja auch nicht schaden…!

Herzliche Grüße
Anja Moritz

PS : zwei Bilder sind von 2017, das letzte von heute… Toll, wie der Baum gewachsen ist, oder?

Bepflanzte Baumscheibe von Anja Moritz

Antwort von Christian Waldrich, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90 / die Grünen, Titz

Hallo Frau Moritz,

vielen Dank für Ihre Mail, das Lob und die Kritik. Auf diese möchte ich Ihnen als erstes kurz antworten.

Ja, unser Artikel bzw. die Hinweise greifen sehr kurz. Hintergrund ist unser Antrag in der vorletzten Sitzungsrunde des Rates, welcher sich gegen das Ausufern von „Schottergärten“ richtet. Der Antrag richtete sich nicht einmal darauf, besonders drastische Maßnahmen zu ergreifen, sondern sollte Bauherren wie Gemeindeverwaltung sensibilisieren und noch einmal deutlich machen, dass Schottergärten schon heute nicht nur eine ökologische Katastrophe sondern eben auch verboten sind.

Leider war das Ergebnis, dass wir in der Ratssitzung (wie häufig) als die „Verbotspartei“ angesprochen wurden, die den Bürgern nun Ihre eigene Gartengestaltung verbieten möchte.

Als Ergebnis stellte die Gemeindeverwaltung nun in der letzten Sitzungsrunde einen dünnen Flyer vor, den sie Bauherren zukünftig mitgeben wolle. Das ist bei weitem nicht ausreichend und muss weiter thematisiert werden. Der Beitrag war dazu der erste Aufschlag.
Ich gebe Ihnen aber recht, dass viele praktische und vor allem positive Beispiel folgen müssen, wobei sich Ihre Beispiele (Jackerath und die von Ihnen gepflegte Baumscheibe) ja nicht direkt auf einen Schottergarten beziehen sondern quasi schon die „Kür“, den nächsten Schritt darstellen.

Dabei gibt es natürlich kein positives Beispiel für einen Schottergarten, denn es kommt ja nicht auf das Material an sich sondern auf die Anlage an (wir haben auf unserer Website Schottergärten und Steingärten unterschieden. Letztere haben durchaus eine ökologische Wertigkeit. Das Beispiel Jackerath geht in diese Richtung.).
Aber es müssen auch praktische Beispiel für pflegeleichte und trotzdem ökologisch sinnvolle Gartenalternativen aus der Nachbarschaft gezeigt werden.
Wir werden dazu in den kommenden Wochen zum Beispiel einen Imker und einen Landschaftsgärtner um Tipis und Hinweise bitten und dies auf der Homepage veröffentlichen.
Natürlich werden wir gerne auch gute Beispiele auf unserer Themenseite veröffentlichen. Ich darf Ihnen versichern, dass es für uns dabei keine Rolle spielt, ob der Garten durch Mitglieder der GRÜNEN angelegt wurde. Arten- und Umweltschutz haben kein Parteibuch aber zum Glück immer mehr Freunde.
Das Beispiel der von Ihnen bepflanzten Baumscheibe macht deutlich, wievielt Spielraum das Thema „Urbaner Garten“ noch hat.

Ich würde gerne Ihre E-Mail und Ihre Fotos auf unserer Homepage veröffentlichen und damit vielleicht noch besser eine Diskussion anregen, als wir als Partei alleine es tun könnten.
Bitte teilen Sie mir doch kurz mit, ob das für Sie in Ordnung ist und ob wir Ihren Namen unter der Mail stehen lassen dürfen oder den Text anonymisieren sollen.
Und zum Schluss noch ein privates Wort.
Ich kann nachvollziehen wie viel Spaß es macht, einen Baum zu „adoptieren“ und ihn wachsen zu sehen. Ich selbst habe das Glück auf einem der Aussiedlerhöfe zu wohnen und einen sehr großen Garten gestalten zu dürfen. Anfang diesen Jahres haben wir gemeinsam mit einem benachbarten Landwirt ca. 3.000 qm Feld mit heimischem Saatgut (blühende Wildstauden) bepflanzt. Der Lohn ist eine Vielfalt an Insekten und Vögeln und eine wirklich „erholsame“ Vegetation um mich herum. Vielleicht schaffen wir ja in vielen kleinen Schritten gemeinsam die Trendwende auch in den Baugebieten.

Es grüßt Sie freundlich
Christian Waldrich
Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/ Die Grünen in Titz

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