Windige Planung

Wie eine Verkehrsader der Region im Sturm zum Erliegen kommt oder: Bäume her oder es staubt!

Ein Kommentar von Christian Waldrich

Ich habe einen Neffen und eine Nichte. Beide gehen noch nicht in die Schule, aber wenn es anfängt richtig windig zu werden schnappen sie sich Ihre Drachen und können es kaum erwarten aus dem Haus zu kommen. Dort bleiben Sie natürlich nicht im Garten stehen sondern zeigen mir sofort, wo eine große Wiese in der Nachbarschaft ist, denn sie wissen: je weiter die Fläche, je weniger Bäume darauf stehen und je weiter weg jedwede Bebauung ist, desto stärker ist der Wind und desto schneller und sicherer trägt es ihre Drachen vom Boden in die Lüfte.

Diese Expertise meines Neffen und meiner Nichte scheint bei den Experten von Straßen NRW und RWE zu fehlen. Anders konnte ich es mir nicht erklären als ich am vergangenen Donnerstag wieder einmal gemeinsam mit tausenden Leidensgenossen riesige Umwege um den aktiven Teil des Tagebau Garzweiler machen musste.

Ausgangspunkt dieser Blechkaravane war diesmal das Sturmtief „Klaus“, das mit voller Wucht auf das Teilstück A44n zwischen Jackerath und Wanlo traf.

Dieses ist bekanntermaßen im Niemandsland des zugeschütteten Teils des Tagebaus Garzweiler errichtet worden und führt kilometerlang durch ausgedehnte Felder. Rechts keine Bäume, Sträucher, Gebäude. Links keine Bäume- Sträucher, Gebäude. Das ist gut für Drachen, aber ganz schlecht für Autobahnen und also wird das Autobahnteilstück bei Drachenwetter regelmäßig für den Verkehr gesperrt, sofern nicht vorher schon ein Unfall das erledigt. Das verursacht ein unzumutbares Verkehrsaufkommen in den umliegenden Kommunen sowie vermeidbare Umweltbelastungen und Stress bei den Autofahrern.

All das sind Schäden, die in keiner Rechnung der Folgekosten des Braunkohletagebaus auftauchen und die die Bürgerinnen und Bürger alleine tragen müssen.

Hier muss schnellstmöglich gehandelt werden, denn diese Situation ist nicht nur ärgerlich und kostspielig, sie gefährdet auch Menschenleben. Denn es sind nicht nur Sturmböen, die den Fahrern zu schaffen machen. Auch Staub wird z.T. in großen Mengen auf die Fahrbahn geweht und behindern die Sicht.

Nur eine entsprechende Bewirtschaftung der Flächen mit größeren Baum- und Strauchbeständen versprechen hier Abhilfe.
Aber vielleicht brauchen die Planer ja noch mehr Expertise. Mein Neffe und meine Nichte haben im Moment noch viel Zeit.

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